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> Historischer Spaziergang

kasselerkunden.de
Kassel geht spazieren.
Das beginnt um 1800!

Spazieren gehen!?
Lohnt es sich überhaupt, Praktiken des Spazierens genauer zu untersuchen und dazu auch noch in einem kulturhistorischen Blickwinkel?

Meine ersten Untersuchungen sind bei Nachbetrachtungen über das eigene Spazierengehen entstanden, privat und im Zusammenhang mit Führungen für Gruppen, angeboten vom Geschichtsverein Kassel.

Im Laufe der letzten Jahre habe ich zahlreiche Historische Spaziergänge entwickelt, angelegt als Erkundungen. Die Flyer dazu vermitteln Begegnungen vor Ort
> mit Anlagen und Objekten,
> mit historischen Bild-Aufnahmen.

Erkunden bedeutet dann, den Spazierwegen entlang anzuhalten, zu reden, Beobachtungen mitzuteilen, sich den Objekten anzunähern. Meine
Mit-Spaziergänger nutzen dabei auch Bildmaterial auf der Website und Infoblätter mit Kopien von Veduten und Plänen, Bildausschnitten, Kurztexten, Schriftstücken.

Aus dieser Praxis heraus ist die Idee für ein eigenes Kapitel in der Website www.kasselerkunden.de entstanden.

Diese Bildseite visualisiert die kultursoziologische Ausrichtung meiner Untersuchungen, die Zeit um 1800 steht im Mittelpunkt. Von da aus schaue ich zurück und nach vorn, im Zeitraum 1700 bis heute. Mein Blick richtet sich zuerst auf die Personen, die spazieren gehen, auf deren Habitus und wie sie in Figurationen positioniert sind oder sich positioniert haben.
Es sind eben nicht lediglich Staffagen!

Die Essays nehmen den Status von Zwischenergebnissen aus meinen Forschungen ein. Es sind in sich abgeschlossene Untersuchungen, Textstücke rund um tiefe Bildbeschreibungen zu Gemälden, Grafiken, Fotos.
In der Wiederholung konnte ich eine spezielle Betrachtungsweise ausprägen und verfeinern und mein Vorhaben absichern, eine Geschichte des Spazierengehens als Historiker und zugleich verpflichtet auf die Sicht eines Spaziergängers zu verfassen.

Mein Projekt folgt dem Konzept des abduktiven Verfahrens (detektivisches Denken), beeinflusst haben mich historische Untersuchungen u. a. von Carlo Ginsburg (Erkundungen über Piero) und Umberto Eco (Semiotik, Im Zeichen der Vier).
Abduktion? Als Spazieregänger nach etwas Ausschau halten - im Sinne von Sherlok Holmes - und die aktuelle Umgebung mit Eindrücken vergleichen, die mir die zahlreichen Gemälde und Grafiken aus der Zeit um 1800 vermitteln.

Daran gekoppelt folge ich dem Konzept der Bilderfahrzeuge, das Aby Warburg entwickelt hat. Der Kunsthistoriker sucht nach wiederkehrenden Motiven und Szenen in Gemälden, Stichen, Fotos und deren Wanderung durch Zeit und Raum.

Mein Faible für detektivisches Denken und die favorisierte Idee der Bilderfahrzeuge schließen ein, die so zahlreichen Untersuchungen zur Geschichte des Spazierengehens nicht nur zu studieren, sondern speziell (!) darin Ausschau nach vergleichbarem Bildmaterial zu halten. Wie allgemein formt sich erkennbar die Handlung Spazierengehen in Deutschland heraus, mit Entwicklungslinien in der Zeit und an verschiedenen Orten. Was ergibt schließlich der Vergleich meiner Bildbeschreibungen mit den Bildbetrachtungen und Schlussfolgerungen in den Untersuchungen, die aus kunsthistorischer Sicht, von Literaturauswertungen her oder im Kontext der Bildwissenschaft angelegt sind.
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