KASSEL - KABUL . - .NACHLESE. ZUR .DOCUMENTA 13...- , I D E N T I T Ä T E N
Es ist meine Stadt!
Wie werden Bilder einer Stadt vermittelt? Wie werden Städte wahrgenommen?
Wie identifizieren sich Menschen mit ihrer Stadt? Meine, unsere Heimat!
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Die DOCUMENTA 13 hat dem Sich-Identifizieren-Wünschen einen Schub gegeben. Ebenso wie die Anerkennung des Bergparks und der Wasserspiele als Weltkulturerbe.
Die Printmedien, das Fernsehen und Internetforen haben entscheidend dazu beigetragen.
Auch in Kabul dürften die dortigen DOCUMENTA Ausstellungen eindeutig und nachhaltig dazu beigetragen haben, Selbstbewusstsein und ein Sich-Identifizieren-Wünschen anzuschieben und insgesamt Kraft und Perspektivität zu untermauern.
Ich möchte hier noch eine persönliche Sichtweise ansprechen, weil diese die Platzierung des Kapitels "Kassel - Kabul" in einer Website erklärt, aufrufbar vom Kapitel "Stadterkundung" aus. So kann ich auch meine mehrfach in die Website "Wissensreise.de" eingebauten Verweise auf historisches Denken, auf Kultur in den Bildbotschaften, auf Geschichtsbewusstsein und Kunstbewusstsein erläutern. Dann müsste weiterhin die Motivation verständlich werden, spezielle Materialien für ein Erkunden vor Ort zu entwickeln und z. B. den Schulen zur Verfügung zu stellen.
Die Identifikation mit der eigenen Stadt und dem darin eingebetteten Alltag ist ein nicht zu unterschätzender persönlichkeitsbildender Faktor. Das kann kritisch angelegt sein. Wichtig ist, Perspektiven zu verdeutlichen, zu untersuchen, zu besprechen. Das prägt Einstellungen und Lebensentwürfe und trägt dazu bei, personale Identität zu gewinnen, aufzubauen, sich über sich selbst klar zu werden. Den Lebensort als Heimat wahrnehmen. Das Wissen um historische Zusammenhänge spielt dabei eine sehr große Rolle.
Im Rahmen meines Projektes "Inter Kulturelle Angebote in einer Bildungslandschaft Kasseler Osten" (Hessisches Landesprogramm Modellregion Integration) konnte ich Schülergruppen und Junge Leute zu Besuchen der DOCUMENTA (13) einladen. Zahlreiche Jugendliche mit Familienhintergrund Afghanistan waren dabei. Das jeweilige Programm: Ein Tag lang Ausstellungen besuchen, dabei gemeinsam die Orte wechseln, also durch die Stadt gehen, über die Eindrücke zur gezeigten Kunst und über Einsichten aus der Stadtbesichtigung "nebenbei" reden.
Wir waren dem zentralen Thema "Kassel - Kabul, Zerstörung und Wiederaufbau" auf der Spur. Historische Zusammenhänge und Hintergründe hatten wir im Unterricht zuvor aufgearbeitet. Oder das wurde in die Erkundungen mit eingeflochten, an Ruhepunkten, in Kunstpausen. Zudem, in meiner Schule waren Erinnerungen an Krisen und Krieg durch zahlreiche Kinder präsent. Einige hatten mit ihrer Familie abenteuerliche Fluchtsituationen hinter sich, Kriegserlebnisse, Vertreibung, Bedrohung, Zerstörung der Häuser, der Lebensgrundlage. Die Intensität des Aufarbeitens kam manchmal daher, dass wir uns mit Kassel als zerbombter Stadt beschäftigten und Zerstörung und Wiederaufbau über Bilder genauer unter die Lupe nahmen. Es waren also zwei Stadtrundgänge, die sich mit den Kunstrundgängen verbanden. Einmal der virtuelle anhand von Filmausschnitten und Fotos und zum anderen die direkte Stadterkundung - also nur vordergründig so ganz "nebenbei".
Die Nachbearbeitung im Unterricht oder Kontakte per E-Mail und weitere Treffen mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern verdeutlichten dann, wie die DOCUMENTA- Besuche die Sicht auf das eigene und das gemeinsame Leben in Kassel beinflusst haben.
Ausdrücklich in Gesprächen oder E-Mail-Mittelungen so ausgesprochen!
Und es kam der Wunsch, das Bedürfnis hinzu, Kabul und die Bedingungen in Afghanistan und besonders das Alltagsleben der Verwandten in der Hauptstadt hier in Kassel, in unseren Gesprächen ganz anders wahrzunehmen und Alltagssituationen zu registrieren Unser deutsches Bild von Kabul ist durch die vorherrschende Medienberichterstattung gefärbt, einseitig, oft falsch.
Kassel ist wieder eine schöne Stadt geworden. Mit ihr, dem Leben hier identifizieren sie sich mehr oder weniger eng und intensiv. Es ist schon "so etwas wie Identität in der Heimatstadt. Kabul ist da mehr Besuchsstadt!" - so eine kurze Passage aus einer E-Mail.
Und das knappe "Kassel ist ok! " aus einem Gespräch mit jungen Kasselänern weist in die gleiche Richtung. "Angesagt! Eindrücke habe ich durch den 13er Rundgang schon gespeichert, stark, also die Innenstadt und, ehrlich mal, toll der Park. Da geht es ab. Schon, es lebt sich ganz gut hier!"
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Die neue Sicht auf Kabul war nicht nur für mich ein "die Augen öffnen". In der Belehrung steckte ja auch die Aufforderung drin, genauer hin zu sehen. So entstanden aus diesen Rundgängen zahlreiche Gespräche und E-Mail-Wechsel speziell auf Afghanistan und Kabul bezogen. Die Bedingungen als zugewanderte Personen hier in Kassel. Die Schwierigkeiten besonders für die Eltern hier Fuß zu fassen, ohne Arbeiten und selbst geregelt Geld verdienen zu dürfen. Es sind Diskurse über Lebensbewältigung, Krisen und ein Zurechtkommen, das sich Anstrengen und nach vorne Schauen. Der Gedankenaustausch hält bis heute an.
Mit diesen Eindrücken im Hintergrund ist die Idee entstanden, Kassel - Kabul erneut zu thematisieren, als DOCUMENTA Nachlese! Der Schwerpunkt wird auf Wiederaufbau und Perspektive sowie auf Identität liegen. Das soll einmal die Dokumentation hier in der Website vermitteln, in der einige Projekte veröffentlicht werden und dann eine Veranstaltung im Herbst 2015 veranschaulichen, auf der junge Erwachsene und Jugendliche die Hauptakteure sind und ihre Suche nach Identität erläutern und ihre aktuellen Lebensentwürfe in ihrer Stadt vorstellen.
Mehr zu dieser Veranstaltung unter Idee und Infoheft und Flyer.
Jürgen Fischer, Oktober 2013 (aktualisiert Juni 2015)